10. November 2023 / Aus aller Welt

Polargipfel sucht Wege zum Schutz schmelzender Ökosysteme

Die Eisregionen des Planeten schrumpfen in beunruhigendem Tempo. Auf einem Polargipfel in Paris beraten Wissenschaftler und Politiker über den Schutz. Umweltverbände pochen auf konkretes Handeln.

Eisbruch nahe der britischen Forschungsstation Halley.

Das Schmelzen der Gletscher und des Meereises geschieht schleichend, der vom Klimawandel angetriebene Rückzug der Eisregionen des Planeten aber hat sich zuletzt beschleunigt. Über den Schutz der Gletscher und der Polargebiete beraten Politiker und Fachleute bis Freitag auf einer internationalen Konferenz in Paris, im Anlauf zum COP28-Klima-Gipfeltreffen Anfang Dezember in Dubai. In Vorbereitung ist ein Pariser Aufruf zum Schutz der Arktis, der Antarktis und der Gletscher, der auf dem Treffen am Freitag veröffentlicht werden soll.

Der Polargipfel ist Teil einer «One Planet»-Gipfel-Reihe, die Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf der UN-Klimakonferenz in Bonn 2017 ins Leben gerufen hat. Für Deutschland nimmt Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) an dem Gipfel teil. Umweltschützer pochen darauf, dass konkrete Schutzmaßnahmen für die schmelzenden Ökosysteme auch umgesetzt werden - und warnen vor katastrophalen Folgen, wenn dies nicht gelingt.

Wichtige Ökosysteme

Das Auftauen des Permafrostes könne zur Freisetzung von Treibhausgasen führen und das Verschwinden der Gletscher sei eine immense Herausforderung, die die gesamte Menschheit betreffe, erklärte Macron anlässlich des Gipfels. Der erste weltweite Gipfel zum Thema Polargebiete und Gletscher sei eine Gelegenheit, die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den Schutz der Ökosysteme zu verbessern sowie sich auf die Konsequenzen der Eisschmelze einzurichten, die bereits begonnen habe, sagte Macron.

«Unsere Gletscher und Pole sind einzigartig und enorm wichtige Ökosysteme», sagte Bundesumweltministerin Lemke. «Sie geraten immer mehr unter Druck: die Klimakrise lässt Polkappen und Gletscher schmelzen, die Biodiversität schwindet und die Verschmutzung wie durch Plastikmüll setzt den Ökosystemen zusätzlich zu.» Da Pole und Gletscher eine fundamentale Rolle im globalen Klimasystem und für den Erhalt der Biodiversität spielten, habe die Entwicklung weltweite Konsequenzen. Nötig sei ein starker Umweltschutz in den polaren Gebieten sowie ein Netzwerk von Schutzgebieten.

Wie dringlich die Lage ist, wird unter anderem in der Antarktis sichtbar. Im September wurde bekannt, dass die Ausdehnung des Meereises rund um den Kontinent einen neuen Tiefststand erreicht hat, der deutlich geringer ist als in den vergangenen Jahren im antarktischen Winter. Auch den Tod Tausender Kaiserpinguin-Küken rechnen Experten dem Meereisverlust zu. Satellitenbilder zeigten nach einer Studie des British Antarctic Survey, dass die von den Pinguinen als Brutstätten verwendeten Eisflächen komplett verschwunden waren, bevor die Küken ihr wasserdichtes Gefieder ausgebildet hatten.

Aufruf zum Handeln

Die Umweltschutzorganisation WWF warnte, dass der Verlust von Eis und Schnee bei den derzeitigen Temperaturen alarmierend sei und frühere Prognosen übertreffe. Um katastrophale Folgen wie einen kräftigen Anstieg des Meeresspiegels, die Erschöpfung der Wasserressourcen in den Gebirgen, den Verlust der Artenvielfalt in den Polarregionen und die unumkehrbare Freisetzung von Treibhausgasen zu verhindern, dürfe die globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 1,5 Grad nicht überschreiten. Emissionsreduzierungen, der Schutz der Ökosysteme und der Ausbau wissenschaftlicher Forschung sei nötig, um eine klimaresistente nachhaltige Entwicklung in der Arktis und Antarktis zu unterstützen.

In einer gemeinsamen Erklärung riefen mehrere Umweltverbände die politischen Verantwortlichen bei dem Pariser Polargipfel zu entschlossenem Handeln auf. Dem geplanten «Pariser Appell für Gletscher und Pole» müssten konkrete Aktionen folgen, deren Umsetzung auch überprüft werden müsse. Unter anderem gehe es darum, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. In den Polarregionen müssten Meeresschutzgebiete eingerichtet und strengere Regeln für Schifffahrt und Tourismus etabliert werden. Außerdem müssten wissenschaftliche Empfehlungen in politisches Handeln einfließen.


Bildnachweis: © Cover Images/Zuma Press/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Brückeneinsturz in Dresden - Desaster mit glimpflichem Ende
Aus aller Welt

Ein Teil der Carolabrücke in Dresden stürzt in der Nacht in die Elbe. Eine wichtige Verkehrsader ist unpassierbar. Die Stadt entgeht knapp einer Katastrophe. Wie konnte das passieren?

weiterlesen...
Umgestaltung der Harderstraße
Aktuelles aus der Region 10

Nächster Bauabschnitt beginnt, Vollsperrung ab Mittwoch

weiterlesen...
Nacht der Museen am 7. September
Aktuelles aus der Region 10

Programm zur Nacht der Museen

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Rätsel um Leichen in Maisfeld: Identität eines Toten geklärt
Aus aller Welt

Der Leichenfund in einem Maisfeld in Gronau beschäftigt die Ermittler weiter. Nun gab es einen ersten Erfolg. Es bleiben aber viele offene Fragen.

weiterlesen...
Zwei Deutsche nach Überschwemmung in Italien vermisst
Aus aller Welt

Zwei deutsche Touristen werden nach starkem Regen in der Toskana von den Fluten eines Bachs mitgerissen und gelten als vermisst. Die Suche nach der Großmutter und ihrem fünf Monate alten Enkel läuft.

weiterlesen...
Olympische Stimmung bei Dior
Aus aller Welt

Bei den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen zeigt das Modehaus Christian Dior eine Kollektion, die von sportlichen Elementen geprägt ist.

weiterlesen...